Andreas
Siemes

Clarity through structure.
Alignment through intent.
Andreas Siemes

Die meisten Organisationen basieren auf ungeschriebenen Regeln und PowerPoint-Folien. Was, wenn sich ihre Strukturen weiterentwickeln könnten — wie Code?

Organisationen sind menschliche Systeme. Die abstrahiert man nicht weg. Aber man kann es sichtbar machen: Wer entscheidet was. Wo fließt Arbeit tatsächlich. Wo geht etwas kaputt, wenn jemand geht. Versionieren. Reviewen. Gegen die Praxis testen.

Das bedeutet Organisationen lesbar machen.

/Aktuell

Als Principal Consultant bei ORAYLIS berate ich COO und Board in Fragen zu Strategie und Transformation. Und dabei frage ich mich oft: Warum behandeln wir Organisationsdesign nicht mit derselben Sorgfalt wie unsere Datenplattformen?

Daneben baue ich zwei Open Source Frameworks. Org as Code überführt Organisationsstrukturen in versionierte Dateien: Rollen, Teams, Entscheidungsrechte, alles in YAML. Business Primitives macht dasselbe für Geschäftskommunikation. Eine Entscheidung wird zu einem definierten Objekt. Genauso ein Risiko, eine Metrik, ein Status-Update.

/Org as Code

Organigramme leben in PowerPoint oder proprietärer HR Software. Governance-Regeln leben in den Köpfen einzelner Personen. Wenn sich etwas ändert, aktualisiert niemand die Folien.

Hier setzt Org as Code an. Rollen, Teams, Entscheidungsrechte: definiert in YAML. Wenn sich etwas ändert, sieht man den Diff. Wenn sich etwas widerspricht, fängt ein Validator es ab.

Sechs Prinzipien

  1. Struktur als Code. Rollen, Teams, Verantwortlichkeiten: versionierte Dateien statt Folien.
  2. Governance als Logik. Entscheidungsrechte und Eskalationspfade, die man prüfen kann. Nicht nur besprechen.
  3. Veränderung als Pull Request. Jede Organisationsänderung wird reviewed. Jede Änderung ist nachvollziehbar.
  4. Realität als Test Suite. Stimmt die Struktur mit dem tatsächlichen Arbeitsfluss überein? Jetzt lässt sich das prüfen.
  5. Evolution als Deployment. Schrittweise Einführung statt Big-Bang-Reorganisation.
  6. Wissen als Dokumentation. Wie wir arbeiten ist immer lesbar, durchsuchbar, aktuell.
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"Clutter and confusion are not attributes of information —
they are failures of design."— Edward Tufte

/Business Primitives

Der Vorstand fragt nach einer Risiko-Zusammenfassung. Drei Leute bauen drei verschiedene Folien. Gleiche Daten, drei Formate, keines wiederverwendbar.

Das ist das Kommunikationsproblem. Organisationen arbeiten mit denselben Bausteinen: Entscheidungen, Metriken, Risiken, Status-Updates. Aber niemand definiert sie. Sie stecken in PowerPoint-Folien, Word-Dokumenten und Excel-Tabellen. Eingesperrt. Verloren nach dem Meeting.

Business Primitives gibt ihnen Struktur. Eine Entscheidung wird ein YAML-Objekt mit Datum, Verantwortlichem und Begründung. Ein Risiko hat einen Schweregrad, eine Wahrscheinlichkeit und eine Maßnahme. Komponierbar, versioniert, lesbar für Menschen und Maschinen.

Atomares Business-Design — Fünf Ebenen

Das Modell ist inspiriert von Chemie und Design Systems:

  1. Atoms. Die kleinsten Einheiten: Decision, Metric, Risk, Action, Timeline, Status, Stakeholder.
  2. Molecules. Atome mit Zweck kombiniert: Argument, Comparison, Status Update, Progress.
  3. Organisms. Arbeitsdokumente: Executive Summary, Risk Register, Dashboard.
  4. Templates. Wiederverwendbare Layouts: Decision Paper, Quarterly Review, Weekly Status.
  5. Pages. Das eigentliche Ergebnis, zusammengesetzt aus allem darüber.
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/Werdegang

2025 – Heute

Der rote Faden

Zurück bei ORAYLIS, diesmal als Berater für COO und Board — mit dem Auftrag, neu zu denken, wie die Organisation selbst funktioniert. Governance, Teamstrukturen, strategische Initiativen. Vieles von dem, was ich über Produktentwicklung, Teamführung und das Verständlichmachen komplexer Dinge gelernt habe, kommt hier zusammen. Dabei wurde mir etwas klar: Organisationen haben zwei Lesbarkeitsprobleme. Ihre Strukturen sind mehrdeutig. Und ihre Kommunikation steckt in Formaten, die niemand wiederverwenden kann. Deshalb baue ich Org as Code — für die Strukturen. Und Business Primitives — für die Kommunikation.

2022 – 2024

Führung & Transformation

Geschäftsführer eines Tech-Spin-offs mit voller P&L-Verantwortung. Dabei habe ich gelernt, was es bedeutet, wenn alle Organisationsprobleme letztendlich bei einem selbst landen. Dann Scrum Master und Agile Program Manager bei einem Sicherheitstechnologie-Unternehmen: Führen ohne Hierarchie, Teams koordinieren, Transformation von der Basis aus treiben. Top-down und Bottom-up in rascher Abfolge.

2018 – 2022

Datenstrategie & Governance

Vier Jahre bei ORAYLIS, Unternehmen dabei helfen, aus ihren Daten Mehrwerte zu schöpfen. Vom Senior Project Manager zum Principal Consultant. Beratungsformate wie Data Strategy Assessments etabliert, ein Marktteam von Grund auf aufgebaut und die Personalgewinnung unterstützt, um Teamkapazitäten zu skalieren. Viele branchenübergreifende Projekte, um Unternehmen auf ihrem Weg zur datengetriebenen Entscheidungen zu unterstützen. Dabei habe ich gelernt, wie Organisationen mit ihren Daten umgehen — und damit scheitern.

2015 – 2018

Freelance & Beratung

Selbstständige Beratung an der Schnittfläche von Datenanalyse, Web-Technologien und Projektmanagement. UI/UX-Konzepte für eine Automobilmarke, Datenstrategie-Workshops für eine Bankakademie, E-Commerce-Analytics für den Handel. Immer an organisatorischen Schnittstellen: Übersetzen zwischen Geschäftsbedürfnissen und technischen Lösungen, Workshops moderieren, Prototypen bauen. Der rote Faden: Dinge bauen, die funktionieren und gut aussehen — und dann verstehen, warum die Organisation drum herum nicht mithalten kann.

2010 – 2014

Gründen & Unternehmertum

Mitgründer einer Digitalagentur in Wiesbaden: E-Learning-Spiele für Banken, Redaktionsportale für Financial Services, Social-Media-Strategien für eine Großbank. Kleines Team, große Kunden, echte Produkte. Nach zweieinhalb Jahren eine ehrliche Erkenntnis: Wir waren exzellente Umsetzer, konnten aber nicht als Unternehmen skalieren. Ein Kundenprojekt wurde zur Brücke in das Festangestelltendasein — Aufbau der Online-Lernplattform einer politischen Stiftung.

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/Über mich

Naturwissenschaftler und Geologe. Einmal ein Unternehmen gegründet. Ich habe Gesteinsformationen studiert, dann Organisationsstrukturen — das Systemdenken ist geblieben. Dann kamen Informationsdesign, Web-Technologien, Projektmanagement, Datenstrategie. Der Blick für Klarheit, Intention und Struktur ist nie weggegangen.

Heute beschäftigt mich vor allem ein System, das unseren Alltag bestimmt: wie Menschen zusammenarbeiten. Was hält Dinge zusammen, warum zerbrechen sie, was macht sie widerstandsfähig. Das gilt für Gesteinsformationen, Unternehmenskulturen und Brettspiele gleichermaßen.

Familienmensch mit zwei Kindern, im Rheinland bei Bonn zuhause. Klimmzugstange im Garten, zu viele Brettspiele im Keller. Ich schreibe Dinge auf, bevor sie vergessen werden.

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/Gedanken

Über Struktur, Klarheit und die Systeme, die bestimmen, wie Menschen zusammenarbeiten.

Skizze einer Stadt, die in geologische Schichten übergeht
Die Intent-Lücke

Essay · Februar 2026 · 7 Min. Lesezeit

Warum KI-Agents scheitern, wenn niemand aufschreibt, was die Organisation will.

Jedes Unternehmen hat ein Organigramm. Aber frag einen neuen Kollegen nach drei Wochen, ob er versteht, wie hier wirklich entschieden wird. Daran arbeite ich.
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